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GV mit Know-how Gewinn
Dass Generalversammlungen keine Meetings für
Papiertiger und Statutendrescher sind, zeigt
die swiss-vacuum. So trafen sich an der GV vom
9. Mai 2007 die Mitglieder und geladene Referenten
im Seminarhotel Schützen in Rheinfelden.
Nach dem administrativen Teil fachsimpelten
die Gäste im Gourmet-Tempel des Schützen
bei einem Mittagessen, frei nach dem Motto Albert
Einsteins, wonach ein leerer Magen ein schlechter
Ratgeber ist.
Vakuum in der Chemie
Kulinarisch gestärkt,
lauschten die Vakuumspezialisten dann Peter
Bucher, Geschäftsführer der nsb gas
processing AG Basel, der über den Einsatz
von Vakuum in der chemischen Industrie sprach.
Für Destillation, Trocknung und Eindampfprozesse
in der Chemie- und Pharmaindustrie eignen sich
sowohl Flüssigkeitsringvakuumpumpen als
auch trocken laufende Vakuumpumpen. Einerseits
entspricht dies dem Wunsch nach sauberem, unbelastetem
Vakuum, anderseits wollen die Betreiber den
Entsorgungsaufwand für kontaminierte Betriebsmittel
senken. Ein Plus von Trockenläufen ist,
dass sich damit selbst hoch korrosive Medien
ohne teure Sonderwerkstoffe fördern lassen.
Dazu braucht es jedoch thermisch anspruchsvolle
Maschinen, speziell auf den Einsatz in der Prozessindustrie
entwickelt.
Prozesslösungen sind die
Domäne der nsb gas processing, im Jahr
2000 gegründet, um die Aktivitäten
der Sulzer Burckhardt in Flüssigkeitsring-Vakuumpumpen
und Kompressoren fortzusetzen. Die Firma bietet
Ingenieurleistungen wie Auslegung, Konstruktion,
Herstellung und Installation von Neuanlagen
sowie Service und Beratung für installierte
Anlagen. In seinem Referat erläuterte Peter
Bucher an einem Kundenbeispiel, dass sich Anlagen
nicht einfach skalieren lassen. Know-how über
physikalische Verhältnisse ist wichtig,
wenn bewährte Infrastruktur in einem anderen
Umfeld installiert wird.
DSM Nutritional Products -
Weltspitze mit Vitaminen
Nach diesem Referat begaben
sich die swiss-vacuum Mitglieder zur DSM Nutritional
Products AG im nahen Sisseln. Hauptsitz der
Firma sind die Niederlande, mit Vertretungen
im übrigen Europa, Asien und Amerika. Die
DSM Nutritional Products AG trat im Herbst 2003
die Nachfolge der Roche-Division Vitamine und
Feinchemikalien an, ist heute weltweit führend
mit Vitaminen und Carotinoiden für die
Futtermittel-, Lebensmittel-, Pharma- und kosmetische
Industrie. Dr. Walter Jucker, Leiter der Abteilung
Compliance, begrüsste die Gäste und
sprach über die Vorreiterrolle der Firma
in der Entdeckung und Entwicklung neuer Produkte,
die auf eine erhöhte Lebensqualität
abzielen. Im Jahr 2006 stieg der Umsatz auf
fast 2,5 Milliarden Euro, der Gewinn um 6%.
Entsprechend kann DSM auch wieder in Personal
investieren, nachdem man in den vergangenen
Jahren Stellen abbauen musste, um profitabel
zu bleiben. Markant gestiegen ist der Rohstoffverbrauch,
nahm doch die Produktmenge allgemein seit Übernahme
von Roche um 30% zu. Trotzdem liess sich der
Energiekonsum beachtlich reduzieren. Die Herstellung
der Produkte erfolgt in den grössten Anlagen
ihrer Art, von modernen Prozessleitsystemen
ökonomisch gesteuert. Lösemittel und
Reststoffe werden möglichst aufgearbeitet
und in den Prozesskreislauf zurückgeführt,
Rückstände und Abgase verbrannt.
Nach dem Referat von Walter
Jucker entwickelte sich mit den Zuhörern
ein Gespräch über Umweltbedingungen,
Abgasreinigung und die damit verbundenen Kosten.
Es zeigte sich, wie wichtig die Abstimmung der
Prozesse ist, um Abluft und Abgase nach Möglichkeit
gar nicht entstehen zu lassen.
Blick hinter die Kulissen
der Vitamin E-Köche
Einblick in die Vitamin-Produktion
und die dazu nötige Hochvakuumrektifikation
gab Dr. Markus Rohr des DSM Improve Plant Chemical
Engineering. Im Brennpunkt stand die Vitamin
E-Herstellung. Vitamin E ist ein Kollektivname
für verschiedene Tocopherole und Tocotrienole,
wobei die aktivste Form das Alpha-Tocopherol
darstellt.
Vitamin E ist wesentlich für
den Schutz von Fettmolekülen in Zellmembranen
und im Blut. Ohne Vitamin E würden diese
mehrfach ungesättigten Fettmoleküle
Opfer des Sauerstoffs freier Radikale. Oxidierte
Fettmoleküle können das Körpergewebe
langfristig schädigen. Dank seinen antioxidierenden
Eigenschaften im Körper hat Vitamin E einen
stabilisierenden Einfluss auf Vitamin A, verschiedene
Hormone und Enzyme. Gemeinsam mit Vitamin A
und Vitamin C bildet es das Trio antioxidierender
Vitamine, auf deren präventiven Effekt
heute Ärzte bei Degenerationskrankheiten
setzen, beispielsweise bei kardiovaskulären
Krankheiten und Krebs. Mit Interesse nutzten
die Zuhörer den anschliessenden Rundgang,
um unter fachkundiger Führung die Vitamin
E-Produktionsanlage kennen zu lernen. Beim Abschied
war man sich einig: Eine swiss-vacuum GV ist
nichts für Papiertiger, bietet aber Gelegenheit,
einen Blick hinter sonst verschlossene Türen
zu werfen und mit Spezialisten der Vakuumszene
in ungezwungener Atmosphäre zu plaudern.
Elsbeth
Heinzelmann
Journalistin Technik und Wissenschaft
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